Tapas hat mindestens drei verschiedene König-Alfonso-Ursprungslegenden — und die wahrscheinlich wahre Erklärung ist weit weniger romantisch als jede davon
Eine Legende besagt, ein König aus dem 13. Jahrhundert habe Tapas auf ärztliche Anordnung erfunden. Eine andere erzählt, ein König des 19. Jahrhunderts habe ein Stück Wurst auf seinem Sherryglas gehabt, um den Sand fernzuhalten. Beide Geschichten werden in Spanien heute als Geschichte erzählt. Die weit nüchternere, besser belegte Erklärung: Tavernenwirte deckten Getränke mit Brot, Schinken oder Käse ab, um Staub und Fliegen aus dem Glas zu halten — eine durch und durch praktische Gewohnheit, die sich langsam zu einem Gericht entwickelte.

Ein Gericht, benannt nach dem Verb „abdecken”
Tapas leitet seinen Namen direkt vom spanischen Verb tapar ab — abdecken oder einen Deckel drauflegen. Diese Etymologie ist die einzige gesicherte, unbestrittene Tatsache in einer Entstehungsgeschichte, die ansonsten mindestens drei konkurrierende Legenden kennt. Mehrere davon haben verschiedene spanische Könige namens Alfonso als Hauptfigur — und alle werden als feststehende Geschichte präsentiert, je nachdem, welche Region oder welche Bar gerade erzählt.
Legende eins: die ärztliche Anordnung eines Königs aus dem 13. Jahrhundert
Die älteste Version stammt aus dem 13. Jahrhundert. König Alfonso X. von Kastilien war dieser Überlieferung zufolge krank und hatte von seinen Ärzten kleine Schlucke Wein über den Tag verteilt verschrieben bekommen. Um zu verhindern, dass ihm der Alkohol auf nüchternen Magen zu Kopf stieg, soll er jeden Schluck mit einem kleinen Happen Essen begleitet haben. Nach seiner Genesung habe er angeblich verfügt, dass jede Taverne in Kastilien zu jedem Glas Wein eine kleine Speise reichen müsse — ausdrücklich zur Bekämpfung öffentlicher Trunkenheit.
Legende zwei: ein König des 19. Jahrhunderts und eine Böe voll Sand
Eine völlig eigenständige, deutlich jüngere Legende knüpft sich an König Alfonso XIII. In dieser Version trank der König Sherry in einem Gasthaus, als ein Kellner bemerkte, dass Sand vom Boden aufgewirbelt wurde. Um das Getränk des Königs zu schützen, legte er eine Scheibe Wurst über das Glas — die der König anschließend aß. Mehrere Tavernen in Cádiz und Sevilla beanspruchen jeweils, der tatsächliche Schauplatz dieses Ereignisses zu sein — was an sich schon ein deutliches Zeichen ist, dass die Geschichte nachträglich auf mehrere reale Orte projiziert wurde, anstatt einen einzigen zuverlässig zu beschreiben.
Das andalusische Tavernen-Ambiente, in dem die praktische, wenig glamouröse Version des Tapas-Ursprungs höchstwahrscheinlich tatsächlich stattfand.
Die weit nüchternere, deutlich besser belegte Erklärung
Lässt man beide königlichen Legenden beiseite, ist die praktische Version fast enttäuschend schlicht: Andalusische Tavernenwirte deckten die Wein- und Sherrygläser ihrer Gäste mit einem kleinen Teller oder direkt mit einer Scheibe Brot, Schinken oder Käse ab — aus völlig unromantischen Gründen: um Staub, Sand und Fliegen in der intensiven Regionalhitze aus dem Getränk fernzuhalten und die Verdunstung zu verlangsamen. Dafür brauchte niemand einen königlichen Erlass. Es ist genau jene Art kleiner, wiederkehrender, praktischer Gewohnheit, die sich still und leise über Generationen zur Tradition entwickelt — und der man erst im Nachhinein eine schmeichelhaftere Herkunftsgeschichte andichtet. Ein Muster, dem dieser Blog in der Lebensmittelgeschichte immer wieder begegnet, nicht nur in Spanien.
Warum die Legende trotzdem fortbesteht
Das macht die König-Alfonso-Geschichten keineswegs wertlos — sie sind genuiner Bestandteil dessen, wie die Tapas-Kultur heute über sich selbst spricht, von Reiseführern und Tavernenbesitzern gleichermaßen weitergegeben, und sie treffen etwas Wahres über die Rolle des Gerichts: ein kleiner Happen Essen, an ein Getränk geknüpft, zum Teilen und ohne Eile gedacht. Doch zwischen einem charmanten Gründungsmythos und einem historisch belegten Ursprung besteht ein echter Unterschied — und Tapas hat beides parallel laufen, in ungezwungenen Nacherzählungen selten voneinander unterschieden.
Die moderne Tapas-Bar-Theke — hervorgegangen aus der praktischen Gewohnheit, ein Glas abzudecken, und nicht aus einem königlichen Erlass.
Was das für eine Speisekarte bedeutet, die eine Tapas-Geschichte erzählt
Wenn Tapas oder seine Geschichte im Marketing Ihrer Speisekarte eine Rolle spielen, ist die betriebliche Lehre daraus eine, die auf diesem Blog vertraut klingt: Die Geschichte, die Sie Ihren Gästen erzählen, und die Zahlen hinter dem Gericht sind zwei getrennte Systeme — und nur die Geschichte darf romantisch sein.
- Ehrliche Rahmung beim Rückgriff auf eine Gründungslegende — Gäste wissen in der Lebensmittelgeschichte inzwischen oft genug Bescheid, um zu merken, wenn eine Speisekarte einen Mythos als gesicherte Tatsache übertreibt.
- Rezeptkonsistenz bei Kleinteller-Formaten, bei denen Portionsgröße und Anrichtekonsistenz unverhältnismäßig stark ins Gästeerlebnis einfließen.
- Echte Kalkulation pro Kleinteller, da Tapas-Speisekarten die Anzahl der einzeln zu kalkulierenden Positionen im Vergleich zu einer Standard-Hauptspeisekarte erheblich vervielfachen.
CalcMenu kann nicht klären, welcher König Alfonso — falls überhaupt einer — tatsächlich eine Rolle gespielt hat. Es kann jedoch sicherstellen, dass jeder Kleinteller auf einer Tapas-Speisekarte mit derselben Sorgfalt kalkuliert wird wie ein einzelnes großes Gericht.
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Quellen und weiterführende Literatur
- Die Kunst der Tapas — Google Arts & Culture, Real Academia de Gastronomía Española
- Die Geschichte der spanischen Tapas — Spain-Holiday
- Geschichte der Tapa — Native Spanish Tapas Tours
- Die Ursprünge der Tapas: Geschichte, Legenden und Tradition — Espagne Gourmet
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