HFSS in Grossbritannien: Platzierung, Promotionen und das Werbeverbot 2026
Das britische HFSS-Regime verschärft die Regeln für fett-, zucker- und salzreiche Produkte erheblich. Dieser Beitrag erklärt Betreibern, was jetzt gilt und wie sie sich vorbereiten können.
Was ist HFSS – und wen betrifft es?
HFSS steht für High in Fat, Sugar and Salt – also Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Fett, Zucker oder Salz. Das britische Regelwerk, das nach dem Brexit unabhängig von der EU-Gesetzgebung weiterentwickelt wurde, zielt darauf ab, den Konsum solcher Produkte einzudämmen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
Betroffen sind nicht nur Supermärkte und Lebensmittelhändler, sondern auch Cateringunternehmen, Hotelbetriebe, Kantinen und Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen, die im britischen Markt tätig sind oder dorthin liefern. Wer Produkte in Grossbritannien vermarktet oder vertreibt, sollte die aktuellen und kommenden Vorschriften kennen.
Die drei Säulen des HFSS-Regimes
1. Platzierungsbeschränkungen
Seit Oktober 2022 gilt für HFSS-Produkte ein Verbot prominenter Platzierungen – also an Eingängen, Kassenbereich und in Endregalen grosser Einzelhändler (ab 2.000 Quadratfuss Verkaufsfläche). Das Ziel: Impulsaufkäufe von ungesunden Produkten sollen reduziert werden.
Für Betreiber in der Gemeinschaftsverpflegung bedeutet das: Auch Buffet- und Self-Service-Konzepte müssen überprüft werden, wenn sie unter britisches Recht fallen.
2. Promotionseinschränkungen
Seit Oktober 2023 sind Mengenrabatte und Sonderangebote für HFSS-Produkte weitgehend untersagt – klassische Formate wie ‘Kaufe zwei, zahle einen’ oder ‘Extra 50% gratis’ sind für entsprechend eingestufte Waren nicht mehr erlaubt.
Das trifft Betriebe, die Aktionsangebote für Snacks, Süsswaren oder stark verarbeitete Fertigprodukte planen. Eine saubere Produktkategorisierung ist hier entscheidend – nur wer weiss, welche seiner Produkte als HFSS gelten, kann rechtskonform planen.
3. Das Werbeverbot ab 2026
Ab Oktober 2025 (mit vollständiger Umsetzung bis 2026) gilt ein weitreichendes Verbot für HFSS-Werbung im britischen Fernsehen vor 21 Uhr sowie ein nahezu vollständiges Verbot von Online-Werbung für entsprechende Produkte – unabhängig von der Tageszeit.
Das betrifft digitale Kanäle wie Social Media, Display-Werbung und gesponserte Inhalte. Für Food-Brands und Caterer, die im B2C-Bereich aktiv sind, ist das eine erhebliche Einschränkung der Vermarktungsmöglichkeiten.
Wie klassifiziert man ein HFSS-Produkt?
Die Einstufung basiert auf dem Nutrient Profile Model der britischen Lebensmittelbehörde FSA. Ein Punktesystem bewertet negative Nährstoffe (Kalorien, gesättigte Fettsäuren, Zucker, Natrium) gegen positive (Proteine, Ballaststoffe, Obst- und Gemüseanteil). Produkte ab einem bestimmten Schwellenwert gelten als HFSS.
Für Betreiber mit komplexen Rezepturen bedeutet das: Nährwertberechnungen auf Rezeptebene sind keine Option, sondern Pflicht. Nur wer die genaue Zusammensetzung seiner Gerichte und Produkte kennt, kann zuverlässig einschätzen, ob HFSS-Regeln greifen.
Praktische Konsequenzen für Betreiber
- Rezeptverwaltung und Nährwertberechnung müssen auf dem neuesten Stand sein
- Kennzeichnungen und Labels müssen HFSS-relevante Informationen korrekt abbilden
- Promotionsplanung braucht eine produktgenaue Kategorisierung
- Digitale Vermarktung muss ab 2026 HFSS-konform gestaltet werden
Wer mehrere Standorte betreibt oder komplexe Menüstrukturen verwaltet, stösst mit manuellen Prozessen schnell an Grenzen.
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